Ohne Partner in der Armutsfalle: AWO fordert Hilfe für Ein-Eltern-Familien

14.11.2017

Alleinerziehende und deren Kinder sind in NRW besonders armutsgefährdet. Rund ein Fünftel aller Familien sind Ein-Eltern-Familien - 40 Prozent von ihnen leben von Hartz IV. „Um Kinderarmut wirksam zu bekämpfen, müssen wir Alleinerziehende stärken“, so Jürgen Otto, Geschäftsführer der AWO NRW.

Ein AWO-Positionspapier verdeutlicht die Probleme und formuliert konkrete Forderungen an die Politik. Die Abschaffung des Ehegattensplitting gehört ebenso dazu wie das Recht, nach der Familienphase von Teil- auf Vollzeit aufzustocken. Zudem fordert die AWO eine Kindergrundsicherung von monatlich 572 Euro, die alle sonstigen Leistungen wie Kindergeld, Unterhaltsvorschuss etc. zusammenfasst und am Einkommen der Eltern bemessen wird. „Wir benötigen eine Gesamtstrategie, um die Benachteiligung von Alleinerziehenden und ihren Kindern im Vergleich zu Elternpaaren zu verhindern“, so der Landesgeschäftsführer weiter. Um das öffentliche Bewusstsein für die prekäre Lebenssituation vieler Väter und Mütter zu schärfen, findet vom 13. bis 24. November 2017 eine Aktionswoche statt, an der sich zahlreiche AWO-Einrichtungen beteiligen.

Die AWO verlangt, dass es Alleinerziehenden erleichtert wird, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Denn schlecht bezahlte Teilzeit- oder Minijobs reichten nicht aus, um den Lebensunterhalt alleine zu bestreiten. Auch mit Blick auf die Rente sei das problematisch. Bei niedrigen Beiträgen fiele auch diese später entsprechend niedrig aus. „Vielen droht dann die Altersarmut.“

Besonders gefährdet sind junge Alleinerziehende und deren Kinder. Für sie müssten Möglichkeiten geschaffen werden, eine Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren. Dies sei aber vielerorts noch nicht möglich. „Wir brauchen deshalb eine bundesweit einheitliche und verbindliche Regelung für Betriebe und Kammern.“ Die aktuelle Situation sei alarmierend: 60 Prozent aller Alleinerziehenden, die auf Hartz IV angewiesen sind, haben keinen Berufsabschluss und somit auch keine Perspektive, sich und die Kinder finanziell zu versorgen. „Ein qualifizierter Berufsabschluss ist der beste Schutz gegen Armut.“ Auch Arbeitgeber müssen in die Pflicht genommen werden: flexiblere Arbeitszeiten sind nötig, damit Alleinerziehende ihren Beruf und die Familie besser vereinen können. Hierfür sei auch Kinderbetreuung nötig, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Arbeitnehmer orientiert. „Viele Berufe, etwa in der Pflege oder im Einzelhandel, lassen sich mit normalen  Öffnungszeiten einer Kita nicht ausüben“, so Jürgen Otto. Als Trägerin von mehr als 700 Kindertagesstätten werde sich die AWO darum bemühen, ihre Öffnungszeiten anzupassen - jedoch könne dies nur mit mehr Personal und entsprechend einer besseren finanziellen Ausstattung umgesetzt werden.

Positionen der AWO NRW als PDF

 

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