Offene Ganztagsschule in NRW – Rettungspakt und Standards umsetzen!

17.05.2018

An alle Abgeordneten der Fraktionen CDU, FDP, SPD, B 90/Die Grünen, im Landtag NRW
Ausschuss für Bildung und Schule
Ausschuss für Familie, Kinder und Jugend

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir wenden uns als großer Träger in der Ganztagsbetreuung an Schulen an Sie mit dem Anliegen, unsere Unzufriedenheit mit den (finanziellen) Rahmenbedingungen deutlich zu machen und den Forderungen nach schnellen und auch strukturellen Verbesserungen Nachdruck zu geben. Die AWO sieht sich grundsätzlich als gleichberechtigte Partnerin von Schule. Sie will sich in eine Weiterentwicklung von Schule aktiv einbringen mit dem Ziel, Schule zu einem Lern- und Lebensort für alle Schüler*innen zu entwickeln und diese zu selbstbestimmten Persönlichkeiten zu befähigen. Dies lässt sich perspektivisch dann glaubhaft sichern und bejahen, wenn AWO-Träger der Kinder-und Jugendhilfe partnerschaftlich mitgestaltend in und mit der Schule tätig werden.

Mit der Kampagne „Gute OGS darf keine Glückssache sein“ im Jahr 2017, die an vielen Schulen, öffentlichen Orten und letztlich vor dem Landtag NRW stattfand, haben wir gemeinsam mit allen Wohlfahrtsverbänden unsere abgestimmten Forderungen zum Ausdruck gebracht:

  • Verbindliche Standards
  • Höhere Etats und einheitliche Finanzierung
  • Gesetzliche Regelungen
  • Zusätzliche Ausbauprogramme

Die AWO spricht sich für eine gute Bildungsarbeit an Schulen aus, die nur geleistet werden kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Unsere Träger erhalten durch Landes- und kommunale Zuwendungen (die sehr unterschiedlich sind) ein schmales Budget. Damit können sie sich nach einer neusten Erhebung der AWO einen „statistischen Betreuungsschlüssel“ von einer Vollzeitstelle für 20 Kinder erlauben, die noch nicht einmal eine Fachkraft sein muss. Das ist völlig unzureichend! Die Räume sind oft viel zu voll, die Essensversorgung nicht kindgerecht. Auch unsere Mitarbeiter*innen haben berechtigte Ansprüche an einen guten Arbeitsplatz und einer entsprechenden Vergütung, die wir ihnen zugestehen möchten. Wenn Sie über die Lebenssituation der Kinder im Offenen Ganztag mehr erfahren möchten, sind Sie herzlich eingeladen, eine unserer Einrichtungen aufzusuchen!

Wir befürchten nun, dass die Debatte um den Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz in der Schule, der nach dem Koalitionswillen der Bundesregierung im Jahr 2025 umgesetzt werden soll, unsere akuten Forderungen nach einem Rettungsprogramm für den Offenen Ganztag und der Festlegung von Standards zurückdrängt. Vorrang vor einem quantitativen Ausbau muss aber zunächst die Sicherung der Bedürfnisse der Kinder, Eltern und Mitarbeiter*innen nach einem qualitativen Bildungs- und Betreuungsangebot haben!

Die beiden Minister Frau Gebauer und Herr Stamp werden sich am 17.5.2018 mit den Spitzen der Freien Wohlfahrtspflege treffen, um über weitere Schritte zu beraten. Beide Minister haben auf der Abschlussveranstaltung der Kampagne im Juli 2017 Verbesserungen angekündigt. Bisher ist nur eine einmalige Erhöhung der Landesmittel um 3% (die viele Kommunen nicht einmal mittragen bzw. weiter geben) und eine Initiative für eine flexible Befreiung der Kinder von der Teilnahme umgesetzt worden.

Uns ist bewusst, dass in beiden Ministerien wichtige und auch teure Initiativen anstehen (Kita-Finanzierung, G9, Inklusion u.a.). Deshalb bitten wir Sie darum, unser drängendes Anliegen nach einer qualitativen Sicherung und darüber hinaus Verbesserung des Offenen Ganztags ernsthaft zu unterstützen und in Ihren Gremien zu beraten.

Mit freundlichen Grüßen

Uwe Hildebrandt

- Geschäftsführer -

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