AWO NRW fordert: Bundesprogramm Sprach-Kita weiterführen!

01.08.2022

am 01.07. hat das Bundeskabinett beschlossen, das Bundesprogramm Sprach-Kita zum Ende des Jahres 2022 auslaufen zu lassen. Diese Entscheidung bedauert die AWO NRW sehr, denn das Bundesprogramm hat sich als wertvolle Unterstützung der sprachlichen Bildung in den Kitas der AWO etabliert.

Die Vereinbarung im Koalitionsvertrag, das Bundesprogramm Sprach-Kita weiterhin mit dem Ziel zu fördern, Inklusion im frühkindlichen Bildungskontext auszubauen, hat die AWO in NRW sehr begrüßt. Umso größer ist das Unverständnis über die jetzige Entscheidung des Bundesministeriums, das Programm zum Ende des Jahres einzustellen.

Die vier Bezirksverbände der AWO NRW betreiben etwa 300 Sprach-Kitas. Betroffen von der Entscheidung, das Bundesprogramm zu beenden, sind Kinder und ihre Familien. Als Träger verliert die AWO nicht nur die zusätzlichen Fachkräfte, sondern auch die Fachberatungen von mehr als 20 Verbünden in Trägerschaft der AWO NRW. Das Ministerium selbst spricht von 6900 Sprach-Kitas, die deutschlandweit vom Bundesprogramm profitieren.

Vorpandemische Daten, so heißt es im aktuellen Bildungsreport, belegten bereits die unterschiedlichen Sprachniveaus bei Schuleintritt, abhängig vom Bildungsstand der Eltern. Die Notwendigkeit der sprachlichen Bildung und Förderung in der Kita hat gerade angesichts der Corona-Pandemie nicht abgenommen – ganz im Gegenteil. Es zeigt sich, dass jedes 5. Kita-Kind zwischen drei Jahren und dem Schuleintritt zu Hause überwiegend eine nichtdeutsche Familiensprache spricht. Für diese Kinder stellten gerade die pandemiebedingten Kita-Schließungen eine große Herausforderung für ihre sprachliche Entwicklung dar.

Der Bedarf an sprachlicher Förderung im frühkindlichen Bildungskontext ist weiterhin hoch – Sprache ist und bleibt der Schlüssel zur Welt.

Die ständige Evaluation hat erwiesen, dass das Bundesprogramm zu einer signifikanten Qualitätsverbesserung der alltagsintegrierten Sprachbildung geführt hat. Die AWO NRW hebt dabei die Kontinuität und hohe Fachlichkeit hervor, mit der Qualifizierungsmaßnahmen in die einzelnen Kitas transferiert wurden. Die Sprach-Fachberatungen erwiesen sich dabei als ein wesentliches Element der Qualitätssicherung, die in sehr enger Abstimmung mit dem Kita-Tandem standen und bedarfs-, prozess- und ressourcenorientiert beraten haben.
Die Träger der Sprach-Kitas haben aktiv und mitverantwortlich dazu beigetragen, dass das Bundesprogramm in den Kitas verankert und fortgeführt wird. Sie stellen durch finanzielle Eigenanteile seit Jahren die Fortführung des Programms sicher, zumal die Pauschalen allein angesichts der tariflichen Entwicklung nicht auskömmlich sind. Dieses Engagement stellt, so die AWO NRW, den Bedarf an sprachlicher Förderung in der frühkindlichen Bildung unter Beweis.

Die Streichung des Programmes ist ein falsches Signal an die Kita-Landschaft.

Die Zuständigkeit für eines über elf Jahre erfolgreich laufenden Bundesprogramms nun kurzfristig in Länderverantwortung zu übergeben, erscheint der AWO NRW in Anbetracht der über die Jahre aufgebauten Strukturen, zumindest kurzfristig, nicht realisierbar. Die Entscheidungen der Länder, die nun für weitere zwei Jahre sicher gestellten Bundesmittel für das Gute-Kita-Gesetz gezielt einzusetzen, sind bereits gefallen und werden kurzfristig nicht verändert werden.

Michael Mommer, Geschäftsführer der AWO NRW, appelliert in einem Schreiben an Bundesministerin Paus: „In dem ohnehin angespannten Handlungsfeld Kita, hat die Ankündigung das Bundesprogramm zu beenden, zu Unsicherheit bei Fachkräften und Trägern geführt. Auch Eltern sehen die (sprachliche) Integration ihrer Kinder gefährdet, denn wir befürchten, dass das etablierte System ohne eine verlässliche Zukunftsperspektive zerbrechen wird. Ziel muss es sein, dem weiterhin hohen Bedarf an sprachlicher Bildung gerecht zu werden und die errungenen Erfolge des Bundesprogrammes sicherzustellen. Dazu bedarf es einer längerfristigen Perspektive und eines gesicherten Transfers des Programms Sprach-Kita in die Bundesländer. Das Bundesprogramm Sprachkita muss, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, ausgebaut und verstetigt werden.“

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